Aber von vorne: Conchita Wurst alias Tom Neuwirth ist ein Travestiekünstler aus Österreich, ein Mann, verkleidet als Frau, allerdings mit einem unverkennbaren Markenzeichen, dem Bart. Dieses Jahr war er der österreichische Teilnehmer des Eurovision Song Contests.
Ich muss ja wohl nicht erklären, dass man es als Mann in Frauenkleidern mit Bart in unserer Gesellschaft nicht leicht hat. Noch dazu, wenn man beweisen will, dass man etwas kann, ein Talent hat und das nichts damit zu tun hat, wie man aussieht oder wie man sich gibt. Besonders für die osteuropäischen Länder war Conchita ein Dorn im Auge. Doch von all dem hat sie sich nicht abbringen lassen, und hat letztendlich das Ding sogar gewonnen. Durch nichts hat sie sich abbringen lassen, einfach ihr Ding durchgezogen, obwohl oder vielleicht sogar gerade weil sie wusste, dass es nicht jedem gefällt.Conchita polarisiert, ist anders als die Norm. So zeigt sie, dass es okay ist, anders zu sein. Dass es nicht darauf ankommt, wie man aussieht, wie man sich kleidet oder wen man liebt, sondern ganz allein darauf, was du kannst, wie du deinen Weg gehst, dein Leben gestaltest. Dass es egal ist, was andere von dir denken, solange du dich wohlfühlst, solange du liebst, was du tust. Denn nicht die anderen sondern du allein lebst dein Leben und genau das solltest du genauso tun, wie du es willst. Genau das macht sie zu einem großen Vorbild für alle. Für alle, die sich trauen, anders zu sein. Für alle, die nicht einfach mit dem Strom schwimmen wollen. Für alle, die es schaffen wollen, zu sich selbst zu stehen. Conchita zeigt Mut. Mut zum Anders sein. Mut, auf die Meinung anderer zu pfeifen. Sein Weg war nie leicht und dennoch ist er ihn weiter gegangen und hat es so allen gezeigt.
Ich finde ihn so bewunderswert und auch ich sehe in ihm ein großes Vorbild für mich selbst, denn auch mir fällt es sehr oft schwer, zu dem zu stehen, was ich bin, was ich mag. Als ich hörte, dass er gewonnen hat, hat mich das echt gefreut. Und ehrlich gesagt, war ich auch unglaublich überrascht. Nicht weil ich es ihm nicht gönnen würde oder an seinem Talent gezweifelt habe, sondern eher, weil ich daran zweifelte, dass unsere heutige Gesellschaft, insbesondere der europäische Osten (vorallem nach der Vorgeschichte im Verlauf des ESC 2014) auch nur halb so tolerant ist, wie sie es letztendlich bewiesen hat. Zum gefühlten ersten Mal im Leben war ich wirklich positiv überrascht von der Welt. Und irgendwie macht es mich stolz, dass Europa doch solch eine Toleranz und einen Fortschritt gezeigt hat. Das gibt mir doch irgendwie wieder die Hoffnung, dass irgendwann jeder Mensch akzeptieren kann, dass jeder andere Mensch das Recht hat, so zu sein, wie er gerne möchte.
Und Conchita ist dafür die perfekte männliche Botschafterin. Das hier war wirklich "The rise of the Phoenix".
Toleranz trägt jetzt Bart.
Abschliessen will ich mit den Worten von Conchita Wurst selbst:
"waking with a smile is the best way to start the day!"

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen