Titel: Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger
Autor: Yann Martel
Verlag: Fischer / € (D) 9,99
Seitenanzahl: 382
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 9783596196982
Inhalt
Pi Patel ist der Sohn eines indischen Zoobesitzers. Er erleidet Schiffbruch, als seine Familie nach Kanadaa auswandern möchte, und findet sich letztendlich
auf einem Rettungboot wider. Mit ihm an Bord : ein Orang-Utan, ein verletztes Zebra, eine Hyäne und ein bengalischer Tiger namens Richard Parker.
Nach einiger Zeit bleiben nur der Tiger und Pi übrig und mitten auf hoher See beginnt ein Kampf ums Überleben für das ungleiche Paar.
Bewertung
Plot/Sprache
Der Roman ist gegliedert in drei Teile, die die einzelnen Stationen vom Protagonisten Pi Patel beschreiben.
Die Geschichte beginnt in seiner Heimat Pondicherry in Indien. Hier wird die Vorgeschichte von Pi erzählt. Wie er zu seinem Namen kam, welchen Glaubem er angehört und außerdem viele Anekdoten von den Tieren im Zoo seines Vaters. Als Icherzähler beschreibt Pi mit Liebe zum Detail wie er zu seinem Namen kam, welchen Glaubem er angehört und außerdem viele Anekdoten von den Tieren im Zoo seines Vaters.Das Verhalten der Tiere ist gut recherchiert und wird genaustens erklärt. Unterbrochen wird diese eigentliche Handlung immer durch meistens relativ kleine kursiv gedruckte Kapitel aus der Sicht des Autors. Diese erzählen die Begegnung des Autors mit Pi Jahre nach den Geschehnissen. Am Anfang sind diese Kapitel sehr verwirrend, denn man versteht nicht sofort, von was sie handeln. Wenn man das dann allerdings nach einiger Zeit rausgefunden hat, ist der Zeitsprung von Vergangenheit zu Gegenwart eine willkommene Abwechslung und sehr interessant, den der Anfang des Romans zieht sich meiner Meinung nach ein bisschen.
Wenn man allerdings den ersten Teil hinter sich gelassen hat und Pi letztendlich Schiffbruch erleidet, fällt es einem schwer das Buch aus der Hand zu legen, so spannend ist vorallem der Anfang des Schiffbruchs. Dem Autor gelingt es, den Leser mit jedem Wort noch mehr an das Buch zu fesseln. Sehr detailiert beschreibt Martel / Pi die Umgebung, das Rettungsboot und jede Handlung des Protagonisten. Die Genauigkeit ist nicht immer angenehm für den Leser, werden doch Wunden und das Raubverhalten der Tiere an Boot und später auch das Jagdverhalten von Pi (zum Beispiel wie er eine Schildkröte tötet und zubereitet) erschreckend realistisch dargestellt. Genau diese Tatsache verleiht dem Roman jedoch seine Authenzität und Inthenzität. Martel gelingt es, den Zustand und die Gefühle Pis so intensiv und echt darzustellen, dass man sich als Leser fast selbst so fühlt. Alles wirkt echt und ist fern von Klischees. Fachwissen über Flora und Fauna fliesst immer wieder in den Roman mit ein. Besonders faszinierend finde ich die "Beziehung" zwischen Pi und Richard Parker, die auf ihrer langen Reise zueinander entsteht. Dennoch wirkt das ganze nie unreal oder weit hergeholt. Man ist sich immer sicher, dass das ganze genauso abgelaufen sein könnte, nie verfällt Martel in Übertreibungen oder Beschönigungen, besonders wenn es um die Beziehung zwischen Protagonist und Tiger geht. Ich hatte wirklich Angst, im laufe der Reise würde sich etwas Unrealistische zwischen Richard Parker und Pi entwickeln, doch dem war nicht so. Man bleibt der Realität treu und stellt es als das da, was es ist. Eine gefährliche Raubkatze und ein Mensch, der sich durchaus zum Beutetier eines ausgehungerten Tigers entwickeln könnte. Der letzte Teil steht im totalen Kontrast zu den ersten beiden. Es handelt sich hierbei um Auszüge eines Tonbandprotokolls. Sehr witzig zu lesen.
Sprachlich ist das Buch relativ unkompliziert gestrickt, einfach aber dennoch sehr schön geschrieben. Ein Schreibstil, der mir persönlich sehr gefällt und mir als Leserin sehr liegt.
Das Buch nimmt einen mit auf eine emotionale Reise. Von Mitleid, Ekel bis zu Belustigung ist alles dabei und genau das macht dieses Buch aus. Manche Stellen sind meiner Meinung nach wirklich unfassbar schön und episch geschrieben, dass sie einem fast eine Gänsehaut bescheren. Nicht umsonst besagt der Klappentext: "Eine Geschichte, die sie an Gott glauben lässt."
Charaktere
Charaktere gibt es bei einem Schiffbruch natürlich nicht so viele. Im ersten Teil erzählt Pi mehr oder weniger viel über seinen Vater, seine Mutter, seinen Bruder Ravi und andere Familienmitglieder. Außerdem berichtet er von seinen Lehrern und anderen Personen, die ihn vor allem religiös beeinflusst haben. Tiere kann man generell nicht als Charakter bezeichnen, aber da sie in diesem Buch eine tragende Rolle spielen, erhält der Leser sehr tiefen Einblick in das Wesen von Tieren, ganz besonders in das Wesen des bengalischen Tigers Richard Parker. Der einzige menschliche Protagonist ist Pi Patel. Pi ist ein sehr vielfältiger Charakter. Dadurch, dass das Buch aus seiner Sicht geschrieben, erhält der Leser einen sehr tiefen Einblick in seine Gefühle und seinen Charakter. Sein Wesen weist viele besondere Facetten auf, das außergewöhnlichste ist vielleicht, dass Pi drei Religionen, dem Christentum, dem Islam und dem Hinduismus gleichzeitig angehören will und sie auch auslebt. Er ist sehr gläubig, sehr schlau und besonders fasziniert von den Zootieren. Ein Charakter, den man zwar nicht immer versteht, der einem aber auf Anhieb symphatisch ist.
Cover/Einband
Wunderschönes, farbenprächtiges Cover. Passend zur Geschichte und mit dem großen Tigerkopf und der kleinen Szene darunter wirklich schön gestaltet.
Fazit
Unbedingt lesen. Eine wirklich sehr berührende, intensive und authentische Geschichte ohne Klischees und mit einem wunderschönen Schreibstil. Erschreckend ehrlich und mit dem nötigen Humor. “Eine Geschichte, die sie an Gott glauben lässt.”, trifft den Nagel auf den Kopf. Nicht verpassen !
4 von 5 Sternen

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